Ringen um Distanz

Wie verschaffe ich mir Distanz, wenn mir Menschen elementar auf den Wecker gehen. Ein lebenslanges Ringen beginnt, wenn ich wie hier in der WG nicht ausweichen kann. Morgens, Mittags und Abends wird mehr oder weniger zusammen gegessen.

Logisch triggern mich Themen, die bei mir noch in traumatisiertem Zustand sind. Ich vermute, dass ich mich noch immer über Leistung definiere bzw. es könntedas Thema Überforderung sein. Wenn meine Leistung nicht reicht und von eineR MitbewohnerIn kritisiert wird, dann werde ich elementar grantig.

Dank meiner Bezugsperson lerne ich nun genauer hinzuhören. Kritik kann eine Grundmelodie einer Persönlichkeit sein. Wenn sie damit leben will, ist das ihre Kompetenz und ich muss NICHT anspringen. War mir vorher nicht so klar aufgefallen, dass sich die Angestellten da distanzieren.

Es wird noch dauern, aber irgendwann kann ich das auch, Schrittchen für Schrittchen. Die Zeiten, als alle andern die Füchse waren und ich der hoppelnde Hase sind zumindest hier bei der gegenwärtigen Situation der Angestellten vorbei. JedeR BewohnerIn bekommt soviel Platz wie irgendmöglich, um sich zu entfalten mit unterschiedlichsten Begabungen.

Eine unerwartete Erleichterung ist mir zugefallen. Wir sind nun zwei Plappermäulchen, ein junger Bewohner ist nach mir gekommen, teilweise teilt er meine Defizite. Also bin ich nicht, wie üblich, alleine. Von aussen sieht man ihm nichts an, wenn er zu sprechen beginnt, dann schon. Triage ist bei uns beiden ein Problem und von der Kreativität haben wir im Überfluss. Ordnung und Struktur sind untervertreten.

Keine Ahnung…

… wo ich meine Haupzigarettenpackung vor mir selbst versteckt habe.

Rein logisch ist es beinahe ein Ding der Unmöglichkeit, in einem Zimmer eine knallrote Schachtel mit Zigaretten drin vor sich selbst zu verstecken.

Die Technik, wie ich mich zu verhalten habe, habe ich längst intus:

  • Ruhig bleiben
  • Nicht aufregen
  • Warten
  • Keinen Druck aufbauen
  • Tief ausatmen
  • Eine andere Packung rauchen
  • Suchen nie zur Hauptbeschäftigung machen. Im Vorbeigang findet sich fast alles.

Aber die Gefühle, die lassen sich nicht so leicht bändigen: Ich bin verunsichert, weil ich mir solche Mühe gab, einen logischen, leicht zu findenden Ort für meine Zigaretten auszuwählen. Im Bett liegend, habe ich sie in die oberste Schblade des Nachttischchens gelegt, so meine Erinnerung. Real: Pustekuchen, auch unter dem Bett liegt nichts. Ich bin und bleibe verunsichert.

Natürlich habe ich ein System, wo meine jeweiligen Sachen sind, aber zu oft gibt es Ausnahmen, das Wetter ist anders, die Kleidung wechselt, die Strickarbeit, etwas fällt runter und ich realisiere es nicht.

Da ist es ein Leichtes mich von aussen zusätzlich zu verunsichern, weil ich es schon selbst bin. Ein Scheunentor ist weit offen und ich schaffe es nicht, das zu schliessen: Keiner ist perfekt.

Schwach? Stark?

Menschen, die nie ernsthafter über sich selbst nachgedacht haben, fühlen sich stark. Wer mit der Psychiatrie in Kontakt war bzw. ist, der ist in ihren Augen schwach, soll ihre grosszügig verteilte Weisheit selbstverständlich würdigen und sofort umsetzen.

Ich weiss nur zu gut, warum ich auf schriftliche Botschaft setze. Ein höfliches Mail ist und bleibt höflich. Ein Gespräch unter vier Augen kann zeugenlos, wie es ist, sofort ins Gegenteil verkehrt werden. Wer lieber mündlich kommuniziert, will, im schlimmsten Fall zeugenlos, die grösssten Gemeinheiten loswerden.

Heute hatte ich eine Person am Telefon von der ich weiss, dass sie mir nicht gut tut. Ihre Tel.nr. habe ich längst gelöscht. Aktuell hat sie Buchungsaufgaben zu erledigen für mich und bildet sich ein, sie wisse, wie ich mein behindertes Leben besser organisieren könnte. Klar, indem sie es besser weiss.

Soweit, so schlecht. Ich verbitte mir inhaltliche Aussagen von Menschen, die für mich Beträge abbuchen sollen. Es ist nicht in ihrem Aufgabenbereich. Solche Menschen verkriechen und verstecken sich in ihrer Familie, so auch heute. Zu meinem ehrlichen Entsetzen ist der zweite Ehemann keine liebevolle Erwähnung wert, aber die Zeit mit dem Hund, die macht Spass. Selbstverständlich habe ich zu solcher Ungeheuerlichkeit geschwiegen. Ich bin weder der betroffene Ehemann noch bin ich um Rat gefragt worden, was ich zu solch einem Leben finde.

Menschen verraten sich selbst und realisieren es nicht.

Im Gegensatz dazu habe ich hier im Ahornhaus, eine engagierte Bezugsperson, die genau realisiert, wie ich anders funktioniere, das trotz Intelligenz NICHT ändern kann. Sie übersetzt mein Hirnverletztisch in NT-Sprache und ich bin guter Hoffnung, dass ich demnächst mein Auto im Frienisberg parkieren kann. Ich habe nichts Medizinisches, was gegen den Gebrauch meiner Autos spricht. Solche Menschen, die Hirnverletztisch übersetzen können und wollen, sind mir eine grossartige Hilfe. Diese Person fordert keine Dankbarkeit, das ist ein weiterer wesentlicher Unterschied.

Gerade fällt mir auf, dass meine Mutter immer Dankbarkeit einforderte. Das geht nicht. Dankbarkeit ist, wenn sie ehrlich ist, freiwillig. Was eingefordert werden kann, ist Höflichkeit und dann ist das Dankeschön eine Floskel. Warum sollte ich für bezahlte Arbeit dankbar sein?!

Ich kann mir nicht helfen, mir kommen „dankbare“ KonfirmandInnen in den Sinn. Hurra! Wir haben gewonnen. 😉


Nicht nur mir fällt auf, dass es mit der Inklusion hapert. Letztens war in DOK (CH TV) ein Beitrag über Menschen mit Behinderungen und z.B. ihre Vertretung im National- bzw. Ständerat. Der junge Mann, der kandidiert hat, hat wie ich CP.

Es ist eine enorme Hürde mit Spastizität, weil wir – oh Schreck – genau damit zu unterst an der Behindertenleiter sind, oft der Lächerlichkeit preisgegeben, selbst, wenn wir NT-Sprache beherrschen, ein politisches Amt zu erhalten und auszuüben. Hier der Link: https://www.srf.ch/sendungen/dok/vom-taeglichen-kampf-um-selbstbestimmung-und-akzeptanz Handicap Behinderung: „Das Märchen von der Inklusion“, so der Titel der Sendung. – Noch Fragen?

Der Titel fasst zusammen, was unsern Alltag prägt. Ich verstehe zu gut, dass wir ab und zu einfach genug haben vom lebenslangem Kampf. Kämpfen ist nicht unsere Natur, jedenfalls nicht meine, sondern wird uns durch unsere Behinderungen aufgezwungen. Das realisiert das jeweilige Umfeld manchmal bzw. oft nicht.

Traumatherapie zum Zweiten

Die Traumatherapie habe ich genau gestern wieder aufgenommen beim gleichen Therapeuten. Damit ist klar der Traumaturbo kommt in die Gänge. Intensiv wird es werden, ich habe schon jetzt als Hausaufgabe meine PITT-Insel zu reaktivieren, insbesondere die Seelenmama, die allumfassende Liebe, die ich mir selbst imaginieren kann und will.

Wenn ich es als Gegenüber betrachte und das tue ich, habe ich mich von der Landpsychiatrie, PZM verabschiedet, mich zurückgezogen in die Stadt Bern, UPD Psychiatrie. Der Traumatherapeut des PZMs wollte mich nicht als Patientin noch nannte er valable Namen. DAS finde ich eine Frechheit, wie die übrige Behandlung durch das PZM: 3-5 Tage totaler Filmriss. Irgendwann war ich kurz wach und dachte, sterben sei leicht, weil ich mich sterbend fühlte: Diese Spritze noch und Gott nimmt mich in Empfang. Es sollte verboten sein, seit Jahrzehnten, die Medikamentencoktails, die das PZM abgibt.

Wenn das irgendwann in ferner Zukunft allenfalls aufgearbeitet wird, dann hilft mir und allen andern heute Betroffenen das nichts mehr.

Meine Medis waren u.a. Haldol, Valium, Zyprexa, Dekapine… Kein Wunder war ich weggetreten.

Nun also der Neustart mit einer anderen Einstellung und anderer Medizin. Ich bin stolz auf mich, habe ich mir das selbständig organisiert und die Lage richtig eingeschätzt. Ich war nie ausfallend zum Therapeuten, unsere Differenzen haben mich über ein normales Ausmass beschäftigt, weil ich sehr ängstlich bin. Vielleicht habe ich auch was falsch verstanden, das ist bei mir immer möglich. Ich bin und bleibe eine Angsthäsin.

Die Polizei bleibt sich treu

Soll ich mich wiederholen? X-fach habe ich die Arbeit der Polizei beschrieben, ausführlich, die CH ist und bleibt Menschen mit Behinderungen einen adäquaten Dienst schuldig.

Diesmal geht es um psychische sexuelle Nötigung, leider, leider bin ich in der Situation mehr als ein Tag lang geblieben. Mein Fehler? Natürlich habe ich dieses Loch meiner nicht erfolgten natürlichen Reaktion umgehend gestopft.

Lande ich wieder einmal ohne Geld irgendwo, habe ich eine Karte mit Wohnadresse und Tel. nr. der Kontaktperson. Ich will und muss lernen,dass ich weder Männernnoch schreienden Frauen wehrlos ausgeliefert bin.

Meine Reaktion sofort: Der Brexit ist Geschichte, warum nicht nach England auswandern oder in die USA, unter Biden durchaus eine valable Alternative zu GB. In GB wäre ich näher an der CH, was je nachdem ein Vorteil sein kann.

Die nordischen europäischen Länder, besonders eines haben einen guten Ruf für ihre Behinderteninklusion, kommen wegen meiner Spastizität nicht in Frage. Auch politische Unruhen und zu viel Gewalt schrecken mich ab.

Was soll ich mich mit der CH auseinandersetzen, wo ich de facto vogelfrei bin? Ich könnte mir auch ein EMDR und PITT Land aussuchen, damit es vorwärts geht mit meiner Enttraumatisierung. Ich bin nicht dumm, ich bin frei und mit dem Ruf-Scooter ziemlich mobil. Ich habe Möglichkeiten,mein Restleben mit meiner Gesundheit, inklusive Depressionen zu geniessen. Ich muss sie suchen, gut überlegen und dann handeln.

Zwischentag

Heute steht kein Termin an, ich kann tun und lassen, was ich will, solange ich die Institutionsregeln und -gesetze beachte. Schreiben wir nicht darüber, sie sind zu entmündigend.

Also ging ich auf Tour, um mit freundlichen Menschen zu quatschen, was Spass macht.

Am Samstag werde ich mit einem neuen Bewohner einkaufen gehen und am Sonntag kochen, für alle die Lust haben = Hausregel. Ich finde, dass jeder für sich kochen dürfen sollte. Aber mich fragt hier keineR.

Gestern habe ich ganz laut reklamiert, weil die Medis von meinem Hausarzt nicht abgegeben werden, ab Montag soll es klappen. Endlich, nach 10(!) Tagen, insgesamt nach mehr als einem Jahr, weil ich in der Depri mich nicht für mich einsetzen konnte. Nur zu meinem Nachteil.

Ich habe fürs Töpfern neue Rollhölzer geholt mit neuen Motiven, das macht mir mehr Spass.

So entfaltet sich der Tag zu meinem Wohlwollen und früh faltet er sich zusammen, um 21 Uhr, wenn ich grosses Glück habe erst um 22 Uhr.

Kein Wunder bin ich um 6 Uhr hellwach bei dem Tagesrythmus.

Nochmals Sonntag

Langsam tauche ich aus dem Arbeitsberg auf. Ich kann mich um Systematik kümmern. Mehrere hundert E-Mails habe ich gelöscht, neue Ordner angelegt und die entsprechenden Mails dort abgelegt. Wenn ich mich mit Ordnung befassen kann, dann heisst das, dass ich langsam Zeit für mich habe.

Gestern ein wichtiges Telefon, darüber, ob ich noch endlos Geduld haben muss mit den Fehlern anderer. Irgendwann läuft meine Lebenszeit ab, schneller als bei anderen Menschen. 14 Jahre stiehlt mir meine Behinderung im Durchschnitt. In meinem Alter ist das viel Zeit. In meinem Alter habe ich noch Bedürfnisse, Träume, die ich befriedigen kann und will. Warten auf den Tod gehört NICHT dazu.

„Erledigt“ ein besonders befriedigendes Wort

Immer, wenn ich nicht in den schweren Depressionen bin, türmt sich die Arbeit. Logistisch muss und will ich mein Leben auf die Reihe kriegen.

Das heisst z.B. möglichst in meinen Möbeln wohnen, damit ich mich etwas wohl fühle, eine Winterjacke habe ich mir gekauft, weil es noch immer sehr kalt ist und ich draussen rauchen können will, weil ausgerechnet ein NICHTraucher Streit im Raucherstübli anzettelt.

Meine sämtlichen Medikamente sind schon beim Hausarzt, das in Rekordschnelle von nur 10 Tagen.

Stricken tue ich gegenwärtig nicht mehr für mich, ich bin am ersten Geschenkstricken, hoffentlich klappt das.

Esswaren habe ich mir eingekauft, weil ich nach einem Jahr Institutionsessen einfach Gelüste habe, die ich nun befriedigen kann. In der Confiserie Tschirren, kaufte ich die letzte kleine Souvarow-Torte, meine Lieblingstorte. Da warte ich nicht bis zu meinem Geburtstag, die geniesse ich sofort und all die Trüffes und Zuckermandeln, die ich vermutlich von meiner Grossmutter geschenkt bekam. Für eine Person alleine habe ich fürstlich eingekauft…..mmmhhhh lecker!

Aufgegleist sind viele andere Themen, ich habe alle Mails in einen Ordner gezogen und kann nun mit der Durchsicht und Triage beginnen. Mein neues Leben beginnt langsam, mit 63 Jahren habe ich es dann, hoffentlich!

Sonntagslust

Heute bin ich hier in Frienisberg alleine mindestens eine Stunde lang an der frischen Luft gewesen und um die Häuser gezogen. Was ich suchte, habe ich nicht gefunden, aber ich habe die Sonne genossen und elementare Erfahrungen z.B. über die Kieswegtauglichkeit meines Dreirades gesammelt. Nicht sehr fähig dieses Dreirad, wenn das Kies zu dick aufgeschüttet ist. Ich habe es geschafft, aber mit einem mulmigen Gefühl.

Die Frühlingsblumen blühen, ich lerne mehr Menschen kennen und geniesse das voll. Unter den BewohnerInnen sprechen wir, unbeobachtet, offen über die Vor- bzw. Nachteile der Pflegenden hier. Nicht alle sind liebevoll und herzlich mit uns.

Klar ist, dass ich aus dem Weiherhaus, 2. Stock rausgemobbt wurde, mein Bett steht leer. DAS ist nun das Problem der Pflegeleitung, nicht Meines. So oder anders, ich bin ein liebevoller Mensch zum Gernhaben und wenn frau mich nicht überfordert auch in den Aufwachphasen aus der tiefsten Depression.

Auch diese unangenehmen Phasen halte ich heroisch aus, aber wenn ein Umfeld da ist, dreht DAS durch, nicht ich. Nach 17 Jahren Erfahrung mit diesem Kippen Depri-Nichtdepri-Deppri-Nichtdepri, weiss ich, dass einige Menschen es mögen, wenn ich nur depressiv wäre und frau mich rumschubbsen kann. Diese Menschen reagieren allergisch, wenn ich plötzlich nicht mehr wie ein schlampendes Gemüse nur pflegeleicht bin und schon fast tot.

Schönstes Wort: „Erledigt“

Mein Leben kommt zu einem Totalstop, wenn ich meine Depressionen habe. Dieses Mal mit einem Jahr Depri und fast nahtlos 6 Wochen PZM, sage ich jeweils, ich sei von den Toten auferstanden.

Schön ist es, bereits vermelden zu können, dass ich mit meiner Umzugsfirma in Kontakt bin, aufgegleist ist, dass ich nebst Spitalbett in meinen Möbeln, mit meinen Bildern und Hobbies wohnen werde.

Mit diesem Kontakt kommt eine Frau, die mir früher geholfen hat in guten und schlechten Zeiten, wir schätzen uns gegenseitig. Diese Hilfe ist mir hochwillkommen! Erledigt, meine langsame Menschwerdung auf diesem Gebiet.

Pläne habe ich zuhauf und ich bin neugierig, was ich alles realisieren kann. Kein Mensch weiss, ob ich nun keine Depressionen mehr haben werde, weil meine Situation als Familienoberhaupt mir nun ganz viel ermöglicht, was früher ganz anders war. Ich war sehr ängstlich und vorsichtig. Das kannich nun ablegen.

Mit einer eigenen Eigentumswohnung als mein Hauptwohnsitz kann mich KEINE/R mehr aus meiner Wohnung mobben, wie es in den letzten Jahren häufig vorkam.

Gott hat mich so geschaffen, wie ich bin und auf die Verurteilung durch Menschen und PZM gebe ich keinen Deut. Die können mich alle mal: Dumm geboren, nie was dazu gelernt… So kommt nie was Gescheites raus. Auch das betrachte ich als erledigt.