Schwach? Stark?

Menschen, die nie ernsthafter über sich selbst nachgedacht haben, fühlen sich stark. Wer mit der Psychiatrie in Kontakt war bzw. ist, der ist in ihren Augen schwach, soll ihre grosszügig verteilte Weisheit selbstverständlich würdigen und sofort umsetzen.

Ich weiss nur zu gut, warum ich auf schriftliche Botschaft setze. Ein höfliches Mail ist und bleibt höflich. Ein Gespräch unter vier Augen kann zeugenlos, wie es ist, sofort ins Gegenteil verkehrt werden. Wer lieber mündlich kommuniziert, will, im schlimmsten Fall zeugenlos, die grösssten Gemeinheiten loswerden.

Heute hatte ich eine Person am Telefon von der ich weiss, dass sie mir nicht gut tut. Ihre Tel.nr. habe ich längst gelöscht. Aktuell hat sie Buchungsaufgaben zu erledigen für mich und bildet sich ein, sie wisse, wie ich mein behindertes Leben besser organisieren könnte. Klar, indem sie es besser weiss.

Soweit, so schlecht. Ich verbitte mir inhaltliche Aussagen von Menschen, die für mich Beträge abbuchen sollen. Es ist nicht in ihrem Aufgabenbereich. Solche Menschen verkriechen und verstecken sich in ihrer Familie, so auch heute. Zu meinem ehrlichen Entsetzen ist der zweite Ehemann keine liebevolle Erwähnung wert, aber die Zeit mit dem Hund, die macht Spass. Selbstverständlich habe ich zu solcher Ungeheuerlichkeit geschwiegen. Ich bin weder der betroffene Ehemann noch bin ich um Rat gefragt worden, was ich zu solch einem Leben finde.

Menschen verraten sich selbst und realisieren es nicht.

Im Gegensatz dazu habe ich hier im Ahornhaus, eine engagierte Bezugsperson, die genau realisiert, wie ich anders funktioniere, das trotz Intelligenz NICHT ändern kann. Sie übersetzt mein Hirnverletztisch in NT-Sprache und ich bin guter Hoffnung, dass ich demnächst mein Auto im Frienisberg parkieren kann. Ich habe nichts Medizinisches, was gegen den Gebrauch meiner Autos spricht. Solche Menschen, die Hirnverletztisch übersetzen können und wollen, sind mir eine grossartige Hilfe. Diese Person fordert keine Dankbarkeit, das ist ein weiterer wesentlicher Unterschied.

Gerade fällt mir auf, dass meine Mutter immer Dankbarkeit einforderte. Das geht nicht. Dankbarkeit ist, wenn sie ehrlich ist, freiwillig. Was eingefordert werden kann, ist Höflichkeit und dann ist das Dankeschön eine Floskel. Warum sollte ich für bezahlte Arbeit dankbar sein?!

Ich kann mir nicht helfen, mir kommen „dankbare“ KonfirmandInnen in den Sinn. Hurra! Wir haben gewonnen. 😉


Nicht nur mir fällt auf, dass es mit der Inklusion hapert. Letztens war in DOK (CH TV) ein Beitrag über Menschen mit Behinderungen und z.B. ihre Vertretung im National- bzw. Ständerat. Der junge Mann, der kandidiert hat, hat wie ich CP.

Es ist eine enorme Hürde mit Spastizität, weil wir – oh Schreck – genau damit zu unterst an der Behindertenleiter sind, oft der Lächerlichkeit preisgegeben, selbst, wenn wir NT-Sprache beherrschen, ein politisches Amt zu erhalten und auszuüben. Hier der Link: https://www.srf.ch/sendungen/dok/vom-taeglichen-kampf-um-selbstbestimmung-und-akzeptanz Handicap Behinderung: „Das Märchen von der Inklusion“, so der Titel der Sendung. – Noch Fragen?

Der Titel fasst zusammen, was unsern Alltag prägt. Ich verstehe zu gut, dass wir ab und zu einfach genug haben vom lebenslangem Kampf. Kämpfen ist nicht unsere Natur, jedenfalls nicht meine, sondern wird uns durch unsere Behinderungen aufgezwungen. Das realisiert das jeweilige Umfeld manchmal bzw. oft nicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s