Ernährung im Club

Irgendwie sollten sich Gesellschaften Oasen gönnen können, Wohlfühloasen in ihrem Selbstverständnis.

Ernährung war in meiner Jugend sowas. Die Elterngeneration hat nach ihrem Verständnis aufgewendet, an Essen, an Zubereitung, ganz wichtig die Atmosphäre und der Wohlfühlfaktor der geladenen Gäste. Stundenlang konnte eine Tischordnung Diskutiert werden, auf dass sich x mit y und z bitte ohne w gut unterhalten.

Die kulinarische Herausforderung zumindest für mich war der Fisch und all die Wasserviecher, die ich lieber durch die Schnorchelbrill angucke als auf dem Teller traktiere, allein der Geruch. Noch als Erwachsene sollte ich essen, was auf den tisch kam, mir punkto dem, was ich nicht mag, nur ein Gräuel. Meine Meinung in den Augen derer eh irrelevant.

Heute ist das höchstkomplex: Geniessen oder möglichst nicht schuldig werden, an der Umwelt, an den Tieren, an den BäuerInnen, an den Transportwegen….. Die Ausssichtslosigkeit der x Dilemmas erinnert mich an die Schuldsituationen meiner Kindheit, nicht thematisch aber gefühlsmässig: Menschen müssen damit leben, irgendwie schuldig zu werden, dieses Gefühl aushalten zu lernen und dabei und das ist wohl die Kunst nicht krank zu werden.

Ich habe mich schon sagen hören, dass meine Unfähigkeit Gesehenes zu verarbeiten und zu stehen mich vor x klassischen Überforderungssituationen, die sonst entstehen könnten schützt: Jedes zu grosse Geschäft betrete ich schon gar nicht. Natürlich habe ich gegenstände und das nicht knapp, wie ich finde. Bloss irgendwo hat es eine Grenze, je mehr Gegenstände ich in meinem Gedächtnis haben sollte, desto grösser die Überforderung. Routinemässig finde ich Gegenstände, die ich habe, das weiss ich mit Sicherheit, nicht. So neulich die Brennpaste fürs Fondue im kleinen Wohnwagen. Suchfläche wenige m2. Suchresultat: Nicht gefunden.

Natürlich bin ich Profi im Lösen solcher Situationen und weiss mir zu helfen und tue das auch.

Also zu viele Nahrungsmittel, zu viel Auswahl, das Bedürfnis es recht zu machen nach welchen Massstäben auch immer und dann manchmal das lebensbedrohliche Scheitern.

Interessant fand ich die Aussage der Moderstorin, dass wir uns nicht mehr selbst fragen, was möchte ich essen, wozu habe ich Lust, sondern zugetextet und gedröhnt sind von irgendwelchen Expertenmeinungen.

Für alles und jedes gibt es ExpertInnen, was mir schon lange auf den Keks geht. Das eigene Leben lebt doch der bzw. die am wohlsten, wenn er bzw. sie sich selbst spürt, kennt, sich selbst hegt und pflegt mit was auch immer. Die berühmte tasse Tee kommt mir in den Sinn, das wohlig warme Bad, der Abwasch in der umgekehrten Reihenfolge.

Wenn ich jetzt den Scooter habe, habe ich mich schon gefragt, ob es nun ein Bedürfnis von mir ist, in einem Megaladen rumzufahren, in RUHE anzuschauen. Bisher ist es das nicht.

Aber gestern bin ich fröhlich durch Bern gerollt, rauf, runter, kein Gefühl der permanenten Überforderung. Ich lache fröhlich und einige Menschen lachen zurück. Gehen können, bzw, rollen ohne Gehbewegungsermüdung, welch ein Genuss.

Bei der Ernährung bin ich nicht wirklich gescheitert, nach meiner Wahrnehmung, aber bei der Wsche: Unmöglich kann ich alles sortieren und einzeln waschen. Es gibt 69° Wäsche und kühlere Wäsche und Ende der Durchsage. Auch alles trennen konnte ich nicht mehr: Mit diesem zu jenem Container und Batterien und Glühbirnen und Patronen da und dort und Kapselkaffee sowieso nie. Ich mache Kaffee nach alter Manier ohne Müllkapseln. Solch eine ultimativ unnütze und idiotische Erfindung, aber hype ist sie. Wer den Eskimos Eis verkaufen kann, hat wirtschaftlich gewonnen. Ich finde, menschliche Intelligenz könnte sich zum WOHLE der Menschen einsetzen.

Wie essen? Etwas mehr den Bauch fragen war ein Konsens. Ich wähle Menschenwohl vor Tierwohl. Solange Menschen als Laborratten hinhalten müssen, völlig ohne Krieg, sondern mittlerweilen werden Handlungen, die im Krieg noch etisches Entsetzen ausgelöst hätten, ganz selbstverständlich und flächendeckend vermute ich praktiziert, tabuisiert und fertig angerichtet ist die medizin. Folter, bzw. die Folter Folter und es ist wie eine Sucht, Opfer und TäterInnen schweigen.

Übers Essen, Umwelt und was weiss ich nicht alles, plappern ganz viele. Dort wo bleiernes Schweigen herrscht, dort geschieht das noch grössere Unrecht, namenlos, themenlos, das grosse Erschrecken. Ich habe immer gesagt, ein politischer Gefangener, hat bis in das Schrecklichste, diese Würde. Die noch grösseren Opfer sterben würdelos. Diskriminierung, die so geläufig ist, dass sie als solche nicht einmal wahrgenommen wird, die ist die grausamste, jedes Individuum wird in Einsamkeit abgehandelt. Zur Eremitin wird kein Mensch geboren.

Al-Anon lehrt zu Recht: Wenn du dich einzigartig fühlst, dann können wir dir nicht helfen.

Der Umkehrschluss gilt ebenso: Wir vereinsamen dich und daran gehst du zugrunde. -Klappt fast immer dieses Modell.

Dagegen habe ich einen Uristinkt: Ich sozialisiere mich längst nicht mehr ortho, auch nicht durch Nahrung, aber z.B. durch rote Trottoirefahrzeuge. Rot bin ich.

Wenn die Welt so hochkomplex ist und das ist sie, muss bei unzähligen Themen eine Vereinfachung her, reine Überlebensstrategie.

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