Zielgerade: Sinn des Lebens

Es ist spannend mit Menschen in meinem Alter zu diskutieren, welchen Sinn sie ihrem Leben geben wollen und geben.

Was ist wichtig? Was wird mich hoffentlich ruhig sterben lassen, weil ein Mensch es zumindest versucht hat?

So verschieden Menschen sind, so unterschiedlich fallen die Antworten aus.

Mich haben immer Menschen fasziniert, zum Nachdenken angeregt, ich habe mir Vorbilder selbst gesucht, gefunden, verworfen, mich verändert – vermutlich geht das so weiter bis zu meinem letzten Atemzug.

Interessant wäre die Neurologie zu kennen, was Menschen systemimmanent letzlich ein Geheimnis bleibt. Ein Organismus kann sich selbst nicht bis ins Letzte und Kleinste analysieren, ich möchte mir ab und zu Flügel anziehen können, meine zeitgeschichtliche Eingebundenheit überschweben können, um zu lernen, was vergänglich ist und was auf längere Sicht Bestand haben wird.

In der Literatur ist das sehr klar zu erkennen, aber natrlich nur mit gewaltigem zeitlichem Abstand. Es gibt immer mal hochgelobte AutorInnen, die eine zeitlang sich beklatschen lassen können und mit etwas Abstand verlieren sie sich im Dunkel der Geschichte. Warum hat man zu deren Lebzeiten nicht schon realisiert, dass es sich letztlich um Eintagsfliegen handelt.

Warum laufen Menschen irgendwas hinterher, was sich nicht bewähren wird. Mir kommen immer die biblischen Geschichten in den Sinn, in denen meist Tierherden auf den Abgrund zu eilen und keine Rettung ist in Sicht. Warum ist solch eine Dummheit menschimmanent. Warum lernt er nie wirklich, zum langandauernd besseren aus der Geschichte?

Vorläufigkeiten wirken eine Weile: Nach dem II WK wollte Europa nie oder nicht mehr Krieg. Zu verheerend waren die Auswirkungen des Krieges gewesen. In Ansätzen ist das gelungen, allerdings hat Europa Kriege auf europäischem Boden längst wieder erlebt.

Welche Organisation müsste eine Gesellschaft haben, um friedlich leben zu können. Bleibt die friedliche Vorstellung eine Utopie, der Glaube an ein friedliches Jenseits bietet nicht mehr den Trost wie vor Jahrhunderten, zu unterschiedlich die Vorstellungen. Für mich wäre „nochmals von vorne“ ultimativ erschreckend.

Leicht spöttisch und halb ernsthaft rede ich von meiner Wolke mit der kleinsten Trompete. Bewegungsfreiheit als Korrektur zu meinem irdischen Dasein, mehr als einleuchtend.

Der Himmel, die Erlösung auch christliche, hat mir immer zu denken gegeben, das nur-Gute bleibt menschlicher Phantasie verschlossen. Wir können uns nur in Unterschieden was ausmalen und „die Hölle“ ist immer einfacher. „Das Gute“ oft beklemmend langweilig. Langeweile ist bereits ein Gegensatz. Also ein nicht langweiliger Himmel. Uff…..Themenwechsel bitte. Manchmal frage ich mich, ob das Gute, gleich sein wird, wie das, was wir erleben, nur das Leiden wird nicht mehr als Leiden erfahren. Aber das müsste dann automatisch Veränderung beinhalten: Wenn z. B. Schläge nicht mehr Leiden verursachen würde, würde dann der bzw. die Schlägerin nicht von selbst aufhören, sich etwas anderem zur Beschäftigung zuwenden?

Das wiederum wäre spannend, eine Neuselection menschlicher Tätigkeiten, die sinnstiftend sind: Was macht Sinn, welche gesellschaftlichen Strukturen, wie kann eine Gemeinschaft organisiert werden und möglichst viele Menschen finden darin ihr Glück und nicht nur einige wenige profitieren und der Rest dient mehr oder weniger bewusst zu?

Ich werde wohl noch eine geraume Weile denkeln müssen, bis mich meine Antworten im entferntesten befriedigen können. Oder ich mache es wie die meisten, ich lebe mit Vorläufigkeiten. Das hat mich im Studium beschäftigt, dass jeder menschliche Denkansatz, in sich selber Denkfehler scheinbar haben MUSS.

Jetzt mit der Digitalisierung könnten wir so einfach wie nie Gedanken vergleichen, vernetzen und ergänzen, noch glaube ich, dass alles Wissen Menschen verfügbar ist, die Auswahl scheint mir schwierig, was wählen, was taugt und was lassen, weil leidensvermehrend, untauglich.

Da ist mir was begegnet, Quelle: https://nachhaltig-sein.info/umdenken/das-paradoxon-unserer-zeit-dalai-lama

Wir haben größere Häuser, aber kleinere Familien;

Mehr Annehmlichkeiten, aber weniger Zeit;

Wir haben mehr akademische Abschlüsse, aber weniger Verstand;

Wir haben mehr Wissen, aber weniger Urteilsvermögen;

Mehr Experten, aber mehr Probleme;

Mehr Medikamente, aber weniger Gesundheit;

Wir sind alle schon bis zum Mond gereist und zurück,

aber wir haben Schwierigkeiten, die Straße zu überqueren und unseren neuen Nachbarn kennenzulernen.

Wir bauen mehr Computer, um mehr Informationen zu speichern und mehr Kopien zu generieren denn je,

aber wir kommunizieren weniger.

Wir haben eine hohe Quantität, aber niedrige Qualität.

Dies sind die Zeiten von Fast Food, aber langsamer Verdauung,

von großen Männern mit zwergenwüchsigem Charakter,

von steilen Profiten, aber flachen Beziehungen.

Es ist eine Zeit, in der viel im Fenster zur Schau gestellt wird,

aber der Raum dahinter ist leer.

nach: Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama

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