Rollifahrerin muss aushalten…

… natürlich u.a. die Dummheit von Menschen:“Ich möchte nie im Rollstuhl sitzen.“, wird mir mehrfach völlig ungefragt an den Kopf geworfen. Dann werfe ich jeweils zurück: „Ich war froh, endlich nicht mehr gehen zu müssen und extrem froh, meine Beine endlich durch Räder zu ersetzen.“

Oft wird uns Geburtsgebrechen unter die Nase gerieben, wir hätten es einfacher, weil wir nichts anderes kennen würden. Klar doch, es ist einfacher NIE ein normales Leben gehabt zu haben, vom Krabbelalter, oft auch Schlecht-geh-Alter, für die arme Öffentlichkeit und ihre zarte Seelen, ab in den Rollstuhl ihr verdrehte Gelenk- und Fleischbündel und ja nicht ins Schwimmbad, wenn wir Freizeit haben, schliesslich fühlen wir Gesunden durch euren Anblick total gestört, auch wenn ihr nicht unkontrolliert rumschreit.

Kommt mir diese verdammte Sichtweise nicht verdammt bekannt vor: Wurde ich nicht genau auf dem Altar auf meine Beine manierlich gefoltert? Nur ja KEINEN Anstoss erregen! Ich weiss, wie sich das über Jahrzehnte realiter anfühlt uns sich auswirkt als ultimative Alternative: Lieber bei vollem Bewusstsein quälend langsam verhungern als überhaupt realiter zu fühlen, dass mich meine mangelnde Gehfähigkeit in den Tod reitet. – Ist doch so schön gesellschaftskonform und aus meiner Sicht verdammt tödlich: Mein Gehirn wurde nicht dumm, aber ich konnte mich an keine Termine mehr erinnern, es signalisierte mehr als Totalüberlastung, die Schulmedizin war weder alarmiert noch hatte sie die Diagnose, ich sollte stumm, klaglos aushalten.

Nicht umsonst sagen unsereins oft, dass die Behinderung OHNE die Mitmenschen gut tragbar wäre, aber die Mitmenschen, die machen sie so richtig zu Hölle,

An die Ausnahmen halten wir uns, oft sind es nur Ausnahmen auf Zeit. Zu stark sind diese von der Gesellschaft gezielt geschürten Ängste, die uns diskriminieren.

Der Rollstuhl ist nicht das Problem, aber in meinem Fall die Jahrzehnte davor, das war gehtechnisch die Hölle. Diese Hölle war wiederum nur eine von mehreren, die ich aushalten musste.

Jetzt interessiert es mich nicht mehr, ob man das hören will: Stellt euch euren Ängsten und lasst mich damit in Ruhe, es sind eure, sie entbehren der Wahrheit und euer präventives Selbstmitleid ist EUER nicht mein Problem.

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