Geburtstagsfeier

Heute feiert filia Dei Geburtstag. Um ihr Freude zu machen, ich liebe es Menschen lachen zu sehen, habe ich mir Kleinigkeiten ausgedacht, um sie zu erfreuen:

Seit ca. zwei Monaten, spiele ich nach mehrjährigem Unterbruch wieder Trompete. Wie anders ist die Reaktion der NachbarInnen in diesem über dreissig Parteienblock: „Spielst du Trompete?“, werde ich gefragt und allein der Tonfall dieser Frage verrät, dass meine Trompete Freude macht.

Jmd. möchte gar selbst ein Blasinstrument lernen und hat mein zweites Mundstück, um zu gucken, ob es trotz gleicher Behinderung geht. Freude herrscht, strahlende Engelwölkchenmusik, schon hier auf Erden.

Wen wundert es, ich kann plötzlich ohne langfädiges Einspielen meine Trompete zum klingen brringen, bin vor zwei Tagen auf die grossartige Idee gekommen, „Happy birthday“ ins Übungsprogramm aufzunehmen und habe alle BewohnerInnenn als ad hoc Chor eingeladen, mit Trompetenbegleitung lässt sich ein Geurtstagsständchen ohne die üblichen, CH-verschämten Ausreden, man könne nicht singen, gut improvisieren. Wenn die Trompete tönt, dann tönt es.

Nach dem Geburtstagsständchen werden filia Dei und ich noch ein kleines Programm für uns zwei haben, einfach etwas, was für mich körperlich machbar ist, gestern in der Stadt Bern habe ich mich ohne Elektrorolli in kürzester Zeit erschöpft, bin von Sitztreppe zu Reinigungshocker geschlichen, die oft in Geschäften zum Raufsteigen und Rumrollen stehen. Stühle gibt es schon lange nicht mehr, wer nicht stehen kann bekommt einen Stuhl hergetragen bzw. hergerollt, wenn es zufälligerweise der Bürostuhl ist.

Sobald ich ein elektrorollitaugliches Auto habe, bin ich nicht mehr nur ein Käfer zappelnd auf dem Rücken. ÖV kann ich nicht, das ist für uns Rollis noch mühsamer, weil wir zum Voraus wissen müssen, wo wir wie eingeladen und ausgeladen werden können und welche Stationen für uns nicht berollbar sind, wegen bautechnischer Mängel.

Rollifahren würde Spass machen, wenn die Trottoirs nicht alle paar Meter geflickt wären, ein Baum putzig den Teer mit seinen Wurzeln wölbt, die Absenkung leider nicht durchgehend sauber gebaut ist, einige Bordsteine defekt, etc.

Nicht zu vergessen, all die lieben FussgängerInnen, die unvermittelt, ohne zu schauen die Gehrichtung wechseln, in der Mitte des Troittoirs Musikstöpsel haben und wohl denken, sie seien die einzigen ErdenbewohnerInnen. Rollis lassen sich behindern, nehmen dauernd Rücksicht und mit Rollerfahrung scheinen sie zum Voraus zu wissen, was sie erwarten wird.Ich holpere durch die Gegend, mein Joysttick wird nur allmählich zahmer, noch fahre ich meine Kurven viel zu eckig und bleibe entsetzt stehen, wenn ich mich in die nächste Rasenfläche katapultiert sehe, weil ich schon wieder Angst kriege, ich erwische einen Bordstein. GsD rollt es sich rasch weg, wenn ich laut stöhne oder gar entsetzt schreie, Rollstuhl fahren will gelernt sein.

Dafür kann ich z.B. gestern entscheiden, einfach so, rasch und flink, dass ich in die Tiefgarage rolle, um was bei meinem kleinen Fiat gucken zu gehen.

Filia Dei ist hell begeistert, in welchem rasenden Tempo ich einkaufe. Wenn ich nicht stehen kann, dann fliege ich förmlich und die leidige Angelegenheit ist blitzartig erledigt für Tage, besser noch eine ganze Woche!

Bummelei? Fehlanzeige. Überall flüstere ich: „Sorry, ich kann nicht stehen“, plumpse in den nächstbesten Stuhl oder bin dann mal weg. Das Eiltempo, in denen ich meine NachbarInnen besuche, um dann gleich wieder zu entfliehen, ist ungewöhnlich und auffällig. Bernertempo kenne ich vom Hörensagen, leisten werde ich es mir können, wenn ich im Rolli definitiv angekommen bin. Gehe ich bei NachbarInnen klingeln, weiss nicht, ob sie da sind, rolle ich, weil sitzend warten so quallos ist.

Bei den Lektionen „Missachte deine körperlichen Grenzen“ hatte ich wohl immer eine 6!, so bescheuert. Wenn ich all die sinnlos verschleuderte Energie zurückgewinnen könnte und sie mir sofort zur Verfügung stünde, könnte ich ohne Antrieb vor Freude auf den Mond hüpfen. Dumm gelaufen, einfach nur saudumm.

Ich verstehe nicht, warum meine Familie diesen grossatig angelegten Aufstand gegen meinen Elektrorollstuhl macht. Es ist absolut nichts dabei, wenn ich durch die Gegend rolle. Das kommt öfters vor, wurde schon gesehen, sogar in der CH und wird e täglich neu vorkommen.

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