Gott ist mein Richter

Es fing ganz harmlos an, in der Sonntagsschule, sangen wir jedesmal „Gott ist die Liebe, er liebt auch mich“. Es leuchtete mir schon damals durch und durch ein, dass Gott mich, sein Geschöpf liebt. Menschliche, sog. Liebe hat mich nie überzeugen können, aber an die Liebe Gottes habe ich mich geklammert.

Später ebenso an mein Theologiestudium. Unter erschwerten Umständen, mit jahrelangen Unterbrüchen, habe ich mein Theologiestudium beendet und Gott hat mich unterrichtet, dass ich sowas von coabhängig bin. Trotz mangelnden Finanzen hat er mich in die Selbsthilfegruppe Al-Anon geführt und ich habe 10 Jahre lang wöchentlich gelernt, begriffen, in den Alltag umgesetzt, mm für mm.

Wenn ich gedacht habe, damit fein raus zu sein, hatte ich mich hochkant getäuscht, mein Leidensweg ging weiter Richtung Abgrund. Der hat mir mehrmals fast das Leben gekostet, meine Kraft war zu Ende, glauben konnte ich längst nicht mehr. Gott glaubte für uns beide.

Letzten Spätherbst der Aufstieg, Traumatherapie. Ich habe ein kPTBS, mir zwar klar, aber ich hatte nie Bücher darüber gelesen, die mich selbst gerettet hätten, wie bei Al-Anon. Meine Traumatas kann ich nicht selbst heilen, ich musste warten, bis ich meinen Traumaheillehrer bekam und exponentionell bewege ich mich Richtung Heilung. Der Weg dauert an, mein Leben verändert sich und Gott wird bestimmen, ob ich jetzt ganz geheilt werde oder wiederum nur teilweise.

Als das Wort „Strafanzeige“ fiel, habe ich an meinem Läppi einen unfemininen, lauten Lachanfall bekommen. Wie hat mich meine erste Scheidungsanwältin gelehrt vor einem halben Leben: „Recht haben und Recht bekommen, sind nicht daselbe.“ Sie sprach von der CH, die sie als Rechtsstaat versteht. Ich begriff das Stückchen für Stückchen für die Bananenrepublik, in der ich lebe, CH genannt.

Was kümmert mich die menschliche Rechtssprechung um das Versagen von Menschen mir gegenüber? Gott ist mein Richter.

Ich bemühe mich nach bestem Wissen und Gewissen, die Gesetze einzuhalten, die mir als Bürgerin auferlegt sind, schliesslich will ich meinem Vater, gest. 89, keine Schande machen.

Der Rest ist Gottes Aufgabe: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“ Ich kümmere mich um meinen kleinen, lästigen Alltag, der allein mich täglich überfordert. Die grossen Brocken, überlasse ich meinem Schöpfer.

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